
Häufige Relaunch-Fehler vermeiden: die acht teuersten Stolpersteine
Das Erstaunliche an gescheiterten Relaunches ist, wie ähnlich sie sich sind. Es sind selten exotische Pannen, die ein Projekt zu Fall bringen, sondern eine Handvoll immer gleicher Fehler, die sich seit Jahren wiederholen. Das ist die gute Nachricht: Wer sie kennt, kann sie vermeiden. Dieser Beitrag versammelt die häufigsten Relaunch-Fehler, gesammelt aus der Praxis und gestützt auf die Erkenntnisse der Usability-Forschung und der Suchmaschinen-Dokumentation. Lesen Sie ihn als Warnliste: Jeder Punkt, den Sie abhaken können, ist ein Risiko weniger. Den geordneten Gegenentwurf (wie ein Relaunch richtig abläuft) finden Sie in unserem Leitfaden zum Website-Relaunch und in der Relaunch-Checkliste.
Fehler 1: Mit dem Design beginnen
Der häufigste und folgenreichste Fehler steht ganz am Anfang. Man redet zuerst über Farben, Schriften, den modernen Look, weil das greifbar und reizvoll ist. Die unsichtbaren Fragen, an denen der Erfolg hängt, kommen zu spät: Welche Seiten bringen heute Besucher? Wie ist die Seite aufgebaut? Was passiert mit den Adressen? Ein Relaunch, der mit dem Design beginnt, produziert eine schöne Seite, die schlecht gefunden wird und schlecht führt. Die richtige Reihenfolge ist Analyse, dann Struktur, dann Design, nicht umgekehrt. Das heißt nicht, dass Gestaltung unwichtig wäre; sie ist nur das Kleid, das einem guten Grundriss erst dann angemessen passt, wenn dieser steht.
Fehler 2: Die Adressen ohne Plan ändern
Der teuerste Fehler im Verborgenen. Wenn sich beim Relaunch die Adressen der Seiten ändern und die alten nicht sauber auf die neuen weitergeleitet werden, verliert Google den Faden, und die über Jahre gewachsene Sichtbarkeit bricht ein. Oft fällt das erst Wochen später auf, wenn die Anfragen ausbleiben. Die Absicherung ist Handarbeit: für jede alte Adresse eine dauerhafte Weiterleitung auf die passende neue, ohne Umwege. Wie das geht, beschreibt der Beitrag Rankings beim Relaunch retten.
Fehler 3: Inhalte blind kopieren oder vergessen
Zwei Varianten desselben Fehlers. Wer alte Texte gedankenlos kopiert, verschenkt die beste Gelegenheit, die Seite inhaltlich nach vorne zu bringen. Wer dagegen ohne vollständige Inventur umzieht, vergisst die stillen Inhalte, die nicht in der Navigation stehen, aber Verkehr bringen, alte Beiträge, eingebundene Dokumente, vergessene Landing-Pages. Beides vermeidet man, indem man jeden Inhalt einmal bewusst in die Hand nimmt: behalten, verbessern oder bewusst aussortieren, aber nichts dem Zufall überlassen. Was wegfällt, bekommt trotzdem eine Weiterleitung, damit weder Besucher noch Suchmaschine ins Leere laufen. Mehr dazu im Beitrag Inhalte migrieren ohne Datenverlust.
Fehler 4: Den Test überspringen
Wenn der Termin drängt, wird als Erstes der Test gekürzt, und genau das rächt sich. Eine Seite, die vor dem Go-Live nicht gründlich geprüft wurde, zeigt ihre Lücken vor Publikum: ein Formular, das nicht ankommt, eine Darstellung, die auf dem Smartphone zerfällt, eine Weiterleitung, die fehlt. Der Test auf einer geschützten Umgebung ist keine Kür, sondern die Versicherung gegen einen holprigen Start. Worauf es ankommt, zeigt der Beitrag Staging und Test vor dem Go-Live.
Fehler 5: Das Smartphone vergessen
Ein Großteil der Besucher kommt heute über das Smartphone, und trotzdem wird die mobile Darstellung oft als Nachgedanke behandelt. Eine Seite, die am großen Bildschirm entworfen und erst danach notdürftig fürs Smartphone angepasst wird, fühlt sich dort auch so an: gequetscht, umständlich, langsam. Richtig ist der umgekehrte Weg, vom kleinen Bildschirm her denken. Das diszipliniert ganz nebenbei die ganze Seite, weil der knappe Platz zwingt, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Warum, erklärt der Beitrag Mobile-First beim Relaunch.
Fehler 6: Nach dem Go-Live nicht hinsehen
Viele atmen nach der Umschaltung auf und wenden sich anderem zu. Dabei beginnt genau dort die wichtigste Phase. In den ersten Tagen zeigt der Blick in die Server-Protokolle und die Google Search Console, ob Fehlerseiten auftauchen oder eine Weiterleitung fehlt. Solche Lücken lassen sich schnell schließen, solange man sie früh bemerkt. Wer wochenlang nicht hinsieht, riskiert, dass sich ein Verlust festsetzt, bevor jemand die Ursache erkennt. Ein Relaunch endet nicht mit dem Go-Live, er fängt dort an, sich zu bewähren. Auch eine kurze Schwankung der Sichtbarkeit unmittelbar nach dem Umzug ist normal; entscheidend ist, dass man hinsieht und einen echten Einbruch von einem vorübergehenden Pendeln unterscheidet.
Fehler 7: Vertraute Muster grundlos brechen
Aus Lust am Anderssein werden manchmal Bedienmuster über Bord geworfen, die jeder Besucher kennt: das Logo, das zur Startseite führt, die Suche als Lupensymbol, der Kontakt im Menü. Diese Muster sind kein Mangel an Originalität, sondern eine gemeinsame Sprache. Nutzer verbringen die meiste Zeit auf anderen Websites und bringen deren Erwartungen mit. Wer diese Erwartungen ohne Grund enttäuscht, zwingt jeden Besucher, eine neue Sprache zu lernen, nur um eine Telefonnummer zu finden. Mehr dazu im Beitrag Usability beim Relaunch.
Fehler 8: Kein Sicherheitsnetz
Wer die alte Seite unmittelbar nach der Umschaltung abschaltet und löscht, nimmt sich die Möglichkeit, im Original nachzusehen, falls doch etwas fehlt. Eine vollständige Sicherung vor dem Go-Live und das Aufbewahren des Originals, bis die neue Seite nachweislich stabil läuft, kosten fast nichts und ersparen im Ernstfall viel. Ein Relaunch ohne Rückweg ist ein unnötiges Risiko, und einer der wenigen Fehler, die sich hinterher gar nicht mehr beheben lassen, wenn das Original erst einmal gelöscht ist.
Der rote Faden: das Unsichtbare zuerst
Sieht man die Fehler nebeneinander, fällt ein Muster auf. Fast alle entstehen dadurch, dass das Sichtbare (das Design) über das Unsichtbare gestellt wird: über Struktur, Weiterleitungen, Tests, die Zeit nach dem Start. Ein guter Relaunch dreht diese Gewichtung um. Er steckt die meiste Sorgfalt in das, was niemand bewundert, und genau das macht am Ende den Unterschied zwischen einer Seite, die schön aussieht und schlecht funktioniert, und einer, die beides kann. Die teuren Fehler sind selten die offensichtlichen. Wer einen Dienstleister beauftragt, sollte deshalb weniger nach schönen Referenzbildern fragen als danach, wie dort mit Weiterleitungen, Tests und der Zeit nach dem Go-Live umgegangen wird, die Antwort verrät mehr über die Qualität als jedes Portfolio.
Was das für Sie heißt
Die meisten Relaunch-Fehler sind bekannt und vermeidbar, sie passieren nicht aus Unwissen über das eine große Geheimnis, sondern aus dem Vernachlässigen vieler kleiner, unscheinbarer Pflichten unter Zeitdruck. Wer diese Liste vor dem Projekt durchgeht und bei jedem Punkt ehrlich fragt „haben wir daran gedacht?", hat den größten Teil des Risikos bereits gebannt. Wir arbeiten genau diese Punkte als feste Bestandteile jedes Relaunches ab, nicht als Zusatz, sondern als das Handwerk, das einen ruhigen Start von einem holprigen unterscheidet.
Sie wollen diese Fehler sicher vermeiden? Wir arbeiten genau diese Punkte als festen Teil jedes Relaunches ab, wie wir vorgehen.
Häufige Fragen
Was ist der häufigste Fehler beim Relaunch?
Mit dem Design zu beginnen. Wer zuerst über Farben und Optik redet und Struktur, Adressen und Inhalte hintanstellt, bekommt eine schöne Seite, die schlecht gefunden wird und schlecht führt. Die richtige Reihenfolge ist Analyse, dann Struktur, dann Design.
Welcher Relaunch-Fehler ist am teuersten?
Die Adressen ohne Weiterleitungsplan zu ändern. Dann verliert Google den Faden und die über Jahre gewachsene Sichtbarkeit bricht ein, oft unbemerkt, bis Wochen später die Anfragen ausbleiben. Die Absicherung über dauerhafte Weiterleitungen ist Pflicht.
Warum ist die Zeit nach dem Go-Live so wichtig?
Weil dort die wichtigste Kontrolle stattfindet. In den ersten Tagen zeigt der Blick in Server-Protokolle und Google Search Console, ob Fehlerseiten auftauchen oder eine Weiterleitung fehlt. Früh bemerkt, lassen sich solche Lücken schnell schließen.
Sollte ich die alte Website nach dem Relaunch löschen?
Nicht sofort. Vor dem Go-Live gehört eine vollständige Sicherung gemacht, und das Original bleibt erhalten, bis die neue Seite nachweislich stabil läuft. Ein Relaunch ohne Rückweg ist ein unnötiges Risiko.
Lassen sich diese Fehler wirklich alle vermeiden?
Ja, sie passieren nicht aus Unwissen, sondern aus dem Vernachlässigen vieler kleiner Pflichten unter Zeitdruck. Wer die Liste vor dem Projekt durchgeht und bei jedem Punkt ehrlich prüft, hat den größten Teil des Risikos bereits gebannt.




