
Content-Audit vor dem Relaunch: Inhalte prüfen, bevor man neu baut
Bevor man ein Haus umbaut, schaut man, was im Keller steht. Bei einer Website unterbleibt dieser Schritt erstaunlich oft: Man stürzt sich in Design und Technik, ohne vorher zu prüfen, welche Inhalte überhaupt da sind, welche noch taugen und welche nur Ballast sind. Dabei ist genau diese Bestandsaufnahme (der Content-Audit) die unscheinbare Arbeit, die über die Qualität des ganzen Relaunches entscheidet. Fast jede gewachsene Seite trägt mehr Inhalt mit sich, als ihren Betreibern bewusst ist, und ein guter Teil davon ist veraltet, doppelt oder schlicht überflüssig. Dieser Beitrag zeigt, wie man Ordnung schafft, bevor man neu baut, angelehnt an die Erkenntnis der Usability-Forschung, dass weniger, aber besserer Inhalt fast immer mehr wirkt. Den Gesamtrahmen gibt unser Leitfaden zum Website-Relaunch.
Was ein Content-Audit ist
Ein Content-Audit ist eine systematische Bestandsaufnahme aller Inhalte einer Website, verbunden mit einer Bewertung. Man listet, was es gibt, jede Seite, jeden Beitrag, jedes Dokument, und prüft dann für jeden Eintrag, wie gut er ist und ob er noch gebraucht wird. Das Ergebnis ist keine vage Ahnung, sondern eine Tabelle, an der sich entscheiden lässt, was beim Relaunch mitkommt, was überarbeitet wird und was zurückbleibt. Es ist die Inventur vor dem Umzug, und zugleich der ehrliche Blick auf die eigene Seite, den man im Alltag gern vermeidet.
Warum gerade vor dem Relaunch
Der Relaunch ist der natürliche Moment für diese Bestandsaufnahme, weil ohnehin jeder Inhalt einmal angefasst werden muss. Wer ohne Audit umzieht, schleppt allen Ballast mit ins neue System: die veralteten Beiträge, die doppelten Seiten, die Texte, die niemand mehr liest. Eine neue, schnelle, schöne Seite voller alter Last ist eine vertane Gelegenheit. Wer dagegen vorher aufräumt, baut auf einem geordneten Bestand auf, und die neue Struktur entsteht aus dem, was wirklich wichtig ist, statt aus dem, was zufällig da war.
Schritt eins: die vollständige Inventur
Am Anfang steht die Liste. Jede Seite, jede Adresse, jedes eingebundene Dokument wird erfasst, auch die stillen Inhalte, die nicht in der Navigation stehen, aber existieren und mitunter Verkehr bringen. Diese Vollständigkeit ist entscheidend, denn man kann nur bewerten, was man kennt. Vergessene Ecken sind die häufigste Quelle späterer Verluste: Was nicht auf der Liste steht, wird beim Umzug übersehen. Die Inventur ist damit dieselbe Grundlage, die auch die Absicherung der Adressen braucht, ein doppelter Nutzen derselben Arbeit.
Schritt zwei: ehrlich bewerten
Dann wird jeder Inhalt bewertet, möglichst anhand von Zahlen statt Bauchgefühl. Wird die Seite überhaupt aufgerufen? Bringt sie Besucher über die Suche? Führt sie zu Anfragen? Ist ihr Inhalt noch aktuell und richtig? Ist er gut geschrieben oder dünn und belanglos? Aus diesen Fragen entsteht für jeden Eintrag ein Urteil. Dabei zeigt sich oft Überraschendes: Manche stolz gepflegte Seite interessiert niemanden, während ein vergessener alter Beitrag still und zuverlässig Besucher anzieht. Erst die Zahlen machen sichtbar, was wirklich trägt. Ein typisches Bild: Von hundert Seiten bringen oft nur zwanzig den Großteil des Verkehrs, während die übrigen achtzig kaum besucht werden. Diese Einsicht ist unbequem, weil sie liebgewonnene Inhalte infrage stellt, aber sie ist die Grundlage dafür, die Kraft auf das zu lenken, was wirkt, statt sie über einen aufgeblähten Bestand zu verteilen.
Vier mögliche Schicksale
Aus der Bewertung folgt für jeden Inhalt eine von vier Entscheidungen. Behalten: Was gut ist und gebraucht wird, zieht unverändert um. Verbessern: Was im Kern wertvoll, aber veraltet oder dünn ist, wird überarbeitet, der Relaunch ist die Gelegenheit, es endlich auf Stand zu bringen. Zusammenführen: Wo mehrere schwache Seiten dasselbe Thema streifen, entsteht aus ihnen eine starke, das ist fast immer besser, als drei halbe Seiten zu behalten. Entfernen: Was niemand braucht und niemand liest, fällt weg. Diese vier Wege bringen Klarheit in einen Bestand, der vorher nur gewachsen war.
Dünner Inhalt und Dubletten
Zwei Arten von Inhalt verdienen beim Audit besondere Aufmerksamkeit. Der eine ist dünner Inhalt: Seiten, die wenig sagen, nur um überhaupt eine Seite zu haben. Sie nützen weder dem Besucher noch der Auffindbarkeit, und Suchmaschinen bewerten eine Seite voller solcher Lückenfüller schlechter als eine schlanke mit wenigen, starken Inhalten. Der andere sind Dubletten: dasselbe Thema, leicht variiert, an mehreren Stellen. Sie konkurrieren miteinander um die Aufmerksamkeit der Suchmaschine und schwächen sich gegenseitig. Beide löst der Audit auf, durch Streichen oder Zusammenführen. Die Usability-Forschung bringt es auf die Formel: Weniger, aber besser.
Was mit entfernten Inhalten geschieht
Eine Seite zu entfernen heißt nicht, sie einfach verschwinden zu lassen. Auch eine gestrichene Seite hatte vielleicht eine Adresse, die jemand kennt oder die bei Google verzeichnet ist. Deshalb bekommt jeder entfernte Inhalt eine dauerhafte Weiterleitung auf den nächstpassenden verbleibenden, den Nachfolgebeitrag, die übergeordnete Themenseite, im Zweifel den thematisch nächsten Ort. So läuft niemand ins Leere, und die gesammelte Sichtbarkeit geht nicht verloren. Wie diese Absicherung im Detail funktioniert, beschreibt der Beitrag Rankings beim Relaunch retten.
Der Audit als Bauplan für die neue Struktur
Der Content-Audit ist nicht nur Aufräumen, sondern liefert direkt die Grundlage für die neue Informationsarchitektur. Wenn man weiß, welche Inhalte bleiben, welche zusammenwachsen und welche fehlen, ergibt sich daraus fast von selbst, wie die neue Struktur aussehen sollte. Der Audit beantwortet die Frage „was haben wir?", die Struktur die Frage „wie ordnen wir es?". Beide hängen zusammen, weshalb der Audit vor der Strukturarbeit steht. Wie aus dem geordneten Bestand eine gute Navigation wird, zeigt der Beitrag Navigation und Informationsarchitektur.
Aufwand und Nutzen
Ein Content-Audit ist Fleißarbeit, und bei großen Seiten kostet er Zeit. Aber er ist die mit Abstand wirksamste Investition früh im Projekt: Jede Stunde, die man hier verbringt, spart später ein Vielfaches, weil man nicht Ballast umzieht, neu strukturiert und pflegt, der ohnehin weg sollte. Und er verwandelt den Relaunch von einer reinen Optikübung in eine echte Verbesserung, die Seite wird nicht nur neuer, sondern besser. Das ist der Unterschied, den man auch noch Jahre später merkt. Und der Audit wirkt über den Relaunch hinaus: Er hinterlässt eine klare Vorstellung davon, welche Inhalte gepflegt werden müssen und wo Lücken klaffen, die sich mit neuen Beiträgen füllen lassen. Aus der einmaligen Bestandsaufnahme wird so der Anfang einer geordneten Inhaltspflege, statt dass die Seite nach dem Relaunch erneut sich selbst überlassen bleibt.
Was das für Sie heißt
Bevor man neu baut, lohnt der ehrliche Blick in den Keller. Der Content-Audit ist diese Bestandsaufnahme: vollständig inventarisieren, nüchtern bewerten, bewusst entscheiden, behalten, verbessern, zusammenführen, entfernen. Er ist unspektakulär und wird gern übersprungen, und genau deshalb ist er einer der größten Hebel für die Qualität eines Relaunches. Wir beginnen den Inhalts-Teil eines Relaunches deshalb nicht mit dem Schreiben des Neuen, sondern mit dem ehrlichen Sichten des Bestehenden, denn das Beste, was man mit gutem Inhalt tun kann, ist, ihn nicht im Ballast unterzubringen.
Sie wollen vor dem Relaunch aufräumen? Wir sichten Ihren Bestand mit Ihnen und bauen darauf auf, so arbeiten wir.
Häufige Fragen
Was ist ein Content-Audit?
Eine systematische Bestandsaufnahme aller Inhalte einer Website samt Bewertung. Man listet, was es gibt (jede Seite, jeden Beitrag, jedes Dokument) und prüft für jeden Eintrag, wie gut er ist und ob er noch gebraucht wird. Das Ergebnis ist eine Entscheidungsgrundlage, keine vage Ahnung.
Warum sollte ich vor dem Relaunch einen Content-Audit machen?
Weil ohnehin jeder Inhalt einmal angefasst werden muss. Wer ohne Audit umzieht, schleppt allen Ballast mit: veraltete Beiträge, doppelte Seiten, ungelesene Texte. Wer vorher aufräumt, baut auf einem geordneten Bestand auf, und die neue Struktur entsteht aus dem, was wirklich wichtig ist.
Wie bewerte ich, ob ein Inhalt bleiben soll?
Möglichst anhand von Zahlen statt Bauchgefühl: Wird die Seite aufgerufen? Bringt sie Besucher über die Suche? Führt sie zu Anfragen? Ist sie aktuell und gut geschrieben? Daraus folgt eine von vier Entscheidungen: behalten, verbessern, zusammenführen oder entfernen.
Was passiert mit Seiten, die ich entferne?
Sie verschwinden nicht einfach. Jede entfernte Seite bekommt eine dauerhafte Weiterleitung auf den nächstpassenden verbleibenden Inhalt, den Nachfolgebeitrag oder die übergeordnete Themenseite. So läuft niemand ins Leere und die gesammelte Sichtbarkeit geht nicht verloren.
Schadet zu viel dünner Inhalt meiner Website?
Ja. Seiten, die wenig sagen, nützen weder dem Besucher noch der Auffindbarkeit. Suchmaschinen bewerten eine Seite voller Lückenfüller schlechter als eine schlanke mit wenigen, starken Inhalten. Die Devise lautet: weniger, aber besser.




