
BFSG in der Praxis: die drei häufigsten Barrierefreiheits-Fehler
Dass das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) seit Mitte 2025 gilt, hat sich herumgesprochen. Weniger klar ist, was es konkret heißt. In der Praxis fallen Websites fast immer an denselben drei Stellen durch, und alle drei lassen sich mit überschaubarem Aufwand beheben.
Fehler 1: Zu schwacher Farbkontrast
Heller grauer Text auf weißem Grund, blasse Akzentfarben, Text mit reduzierter Deckkraft: Das sieht modern aus, ist für Menschen mit Seheinschränkung aber schwer bis gar nicht lesbar. Der Maßstab (WCAG 2.1 AA) verlangt ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5:1 für normalen Text und 3:1 für große Schrift. Die Korrektur liegt meist an einer zentralen Stelle (Textfarbe oder Deckkraft anheben) und behebt oft viele Fälle auf einmal.
Fehler 2: Bilder ohne Alt-Text
Ein Alternativtext beschreibt ein Bild für alle, die es nicht sehen können, Screenreader lesen ihn vor. Fehlt er, ist das Bild für blinde Nutzer schlicht nicht vorhanden; nebenbei fehlt auch Google der Bildkontext. Wichtig: Der Alt-Text beschreibt knapp den Inhalt, er ist kein Platz für Keywords. Rein dekorative Bilder bekommen einen leeren Alt-Text, damit der Screenreader sie überspringt.
Fehler 3: Keine Tastatur-Bedienbarkeit und unklare Struktur
Wer keine Maus benutzen kann, navigiert per Tastatur. Lässt sich ein Menü oder ein Formular nur mit der Maus bedienen, ist es ausgeschlossen. Dazu gehört eine saubere Überschriftenstruktur (eine h1, dann lückenlos h2, h3) und beschriftete Formularfelder, sonst weiß der Screenreader nicht, was einzugeben ist.
Der Zehn-Minuten-Selbsttest
Kostenlose Werkzeuge wie axe oder WAVE prüfen Kontraste, fehlende Alt-Texte und Strukturfehler automatisch und zeigen die offensichtlichen Lücken. Das ersetzt keine vollständige Prüfung, Tastatur-Bedienung und Screenreader-Verständnis lassen sich nur im Test mit echten Hilfsmitteln beurteilen, ist aber ein ehrlicher erster Blick. Der nachhaltigere Weg ist, Barrierefreiheit nicht nachzurüsten, sondern beim Bau mitzudenken; das kostet in der Entwicklung wenig und erspart die teure Sanierung später.
Häufige Fragen
Welche Fehler sind am häufigsten?
Zu schwacher Farbkontrast, fehlende Alt-Texte und fehlende Tastatur-Bedienbarkeit. Diese drei tauchen in fast jeder Prüfung auf und sind zugleich die am leichtesten behebbaren.
Wie teste ich meine Website kostenlos auf Barrierefreiheit?
Mit Browser-Werkzeugen wie axe oder WAVE. Sie markieren Kontrast-, Alt-Text- und Strukturprobleme automatisch. Für Tastatur und Screenreader ist ein manueller Test nötig.
Reicht ein automatischer Test, um BFSG-konform zu sein?
Nein. Die Automatik erfasst nur einen Teil der Anforderungen. Tastatur-Bedienbarkeit, Screenreader-Verständnis und leichte Sprache brauchen eine manuelle Bewertung.
Muss meine Website überhaupt barrierefrei sein?
Das hängt von der Unternehmensgröße ab: Kleinstunternehmen (weniger als zehn Beschäftigte und höchstens zwei Millionen Euro Umsatz oder Bilanzsumme) sind für ihre Dienstleistungen ausgenommen, darüber greift das BFSG. Im Zweifel rechtlich prüfen lassen.




