
TYPO3 ist nicht teuer — es kann nur schlecht gebaut sein
Was ein TYPO3-Angebot wirklich enthält
Wer zum ersten Mal ein TYPO3-Angebot einholt und Angebote in sehr unterschiedlichen Größenordnungen vergleicht, zieht oft den falschen Schluss: Das teure Angebot sei überteuert, das günstige sei ein Schnäppchen. Tatsächlich beschreiben diese Zahlen häufig zwei grundverschiedene Produkte mit demselben Namen.
TYPO3 ist Open Source, der Lizenzpreis beträgt null Euro. Was ein Projekt kostet, ist ausschließlich eine Frage des investierten Aufwands: in Konzeption, Entwicklung, Testing und Dokumentation. Wer ein sehr günstiges Angebot für eine vollwertige TYPO3-Website abgibt, beschreibt damit entweder einen stark reduzierten Scope — wenige Seiten, keine individuelle Entwicklung, kein Redaktionstraining — oder er unterschätzt, was eine solide Umsetzung braucht.
Entwicklungskosten: Was ein Minimalangebot tatsächlich abbildet
Ein günstiges TYPO3-Projekt ist nicht von vornherein unseriös. Aber es ist fast nie das, was ein KMU mit gewachsenem Inhalt und redaktioneller Eigenständigkeit braucht. Ein Template kaufen, installieren und befüllen lässt sich schnell erledigen. Die Frage ist, was man dabei bekommt: eine Website, die zum Unternehmensauftritt passt, die ein Redakteur ohne Programmierkenntnisse pflegen kann, die bei Updates nicht zusammenbricht.
Solide Arbeit bedeutet: ein durchdachtes Seitenkonzept, individuelle Templates auf Basis des kundenseitigen Designs, saubere Datenbankstruktur, keine überflüssigen Extensions, die beim nächsten TYPO3-Major-Release zum Problem werden, und ein nachvollziehbares Berechtigungskonzept. Das kostet Zeit, und Zeit kostet Geld. Wer das weglässt, spart einmalig und zahlt regelmäßig nach.
Betrieb ist kein Nebenposten
Entwicklungskosten sind Einmalkosten. Betriebskosten fallen monatlich oder jährlich an und werden bei der Systementscheidung oft unterschätzt.
Für eine TYPO3-Website gehören dazu: ein performantes Hosting, das die benötigten PHP-Versionen unterstützt, regelmäßige Core-Updates und Extension-Updates (bekannte Sicherheitslücken ohne Patch sind eine aktive Angriffsfläche), Datenbank-Backups und Monitoring. Wer diesen Betrieb an eine Agentur auslagert, zahlt für Aufwand, nicht für ein Abo auf ein System.
TYPO3 hat hier einen strukturellen Vorteil: Der Core folgt einem klar definierten Versionszyklus, Sicherheitsupdates werden vom TYPO3 Security Team zuverlässig kommuniziert. Sofern eine Agentur diese Updates systematisch einspielt, ist das Risiko bekannter Lücken gering. Wer das nicht tut, aus Kostendruck oder fehlender Disziplin, trägt das Risiko selbst.
Ein Punkt, der häufig vergessen wird: Pflege bedeutet auch inhaltliche Pflegbarkeit. Wenn ein schlecht gebautes System jeden Inhaltseinstieg zu einem Interpretationsakt für den Redakteur macht, kostet das in Summe mehr als ein Jahr Hostinggebühren.
Gut gebaut oder schlecht gebaut: das ist die eigentliche Kostenfrage
Der Unterschied zwischen einer günstigen und einer soliden TYPO3-Website zeigt sich selten im ersten Jahr. Er zeigt sich, wenn ein Update ansteht, wenn eine neue Anforderung kommt, wenn der Redakteur wechselt.
Technische Schulden entstehen in TYPO3 klassischerweise so: Extensions werden eingebunden, ohne zu prüfen, ob sie aktiv gepflegt werden. Templates greifen direkt auf Datenbankfelder zu, statt über sauber definierte ViewHelper zu arbeiten. FlexForms werden zweckentfremdet, weil die individuelle Entwicklung eines passenden Content-Elements zu teuer erschien. Berechtigungen werden zu weit gefasst, weil die Einschränkung Aufwand erzeugt.
Technische Schulden und ihre Konsequenzen
Jede dieser Entscheidungen ist beim Bau unsichtbar. Sichtbar werden sie, wenn TYPO3 auf die nächste Majorversion springt und eine eingebundene Extension nicht mehr kompatibel ist — oder nicht mehr gepflegt wird. Dann steht der Auftraggeber vor der Wahl: aufwändige Migration oder Weiterbetrieb auf einer veralteten Version. Beides kostet.
Gut gebautes TYPO3 dagegen: ein Extensions-Set, das aktiv gepflegt wird und zum Zweck passt, sauber getrennte Entwicklungsschichten, ein Deployment-Prozess, der Änderungen nachvollziehbar hält, und eine Struktur, in die ein neuer Entwickler ohne Detektivarbeit einsteigen kann. Das ist kein Komfort-Merkmal: Es ist der Unterschied zwischen einer Website, die in fünf Jahren noch wartbar ist, und einer, die nach zwei Jahren ersetzt werden muss.
Der Vergleich ist direkt: Eine Website, die nach zwei Jahren ersetzt werden muss, kostet in der Summe mehr als eine solide Umsetzung, die sieben Jahre trägt. Und dabei sind die Kosten für Datenmigration, Redakteursschulung und Produktivitätsausfall während des Wechsels noch nicht eingerechnet.
Wann TYPO3 nicht die richtige Wahl ist — und was das für unsere Arbeit bedeutet
Es wäre nicht ehrlich, das zu übergehen: TYPO3 ist nicht für jeden Zweck die richtige Wahl.
Für eine einzelne Landingpage mit fünf Seiten und einem Kontaktformular ist TYPO3 überdimensioniert. Für einen kleinen Blog, den eine Person pflegt, ist WordPress die schnellere, günstigere Entscheidung. TYPO3 entfaltet sein Potenzial dort, wo Inhalte in größerem Umfang gepflegt werden, wo mehrere Redakteure mit unterschiedlichen Rechten arbeiten, wo mehrsprachige Präsenzen gefragt sind oder wo das CMS in eine gewachsene Systemlandschaft integriert werden soll.
Wer diese Anforderungen nicht hat, dem empfehlen wir TYPO3 nicht — nicht aus fehlendem Interesse an kleinen Projekten, sondern weil das System dann unnötig viel Verwaltungsaufwand mitbringt.
Wir nehmen nur Projekte an, bei denen ein solider Aufbau möglich ist: durchdachte Architektur, ein verlässlich gepflegtes Extensions-Set, ein Deployment-Prozess, Dokumentation für den Redakteur. Wer ein deutlich günstigeres Angebot bekommt, sollte genau fragen, was darin enthalten ist und was nicht. Nicht aus Misstrauen gegenüber dem Anbieter, sondern weil diese Fragen in zwei Jahren relevant werden. Aufgrund der Erfahrung aus vielen Projekten wissen wir: Die Kosten eines schlecht gebauten Systems trägt am Ende der Auftraggeber, nicht die Agentur.




